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Das Projekt "Sierra Leone"

Innerhalb der internationalen Arbeit des deutschen CVJM gibt es im Rahmen des CVJM-Weltdienst eine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit dem YMCA (CVJM auf Englisch) in Sierra Leone/Westafrika.

Sierra Leone steckte seit Anfang der 90er Jahre in einem Krieg um die sog. „Blutdiamanten“, die von Rebellenbanden außer Landes geschafft wurden und schließlich in Europa wieder auf dem Weltmarkt auftauchten. Im Rahmen eines Umsturzes bzw. einer sehr blutigen Rebelleninvasion ist neben dem Landesinnern auch die Hauptstadt Freetown Ende der 90er Jahre stark in Mitleidenschaft gezogen worden: Zahlreiche Häuser wurden niedergebrannt, unzählige Menschen grundlos getötet oder verstümmelt.
 


Sierra Leone

In diesem Konflikt setzte man unter anderem auch Kindersoldaten, z.T. ab dem Alter von 9 oder 10 Jahren ein, die entsprechend unter Drogen gesetzt einer Gehirnwäsche unterzogen wurden und schließlich vor die Alternative zu Töten oder selbst zu sterben gestellt wurden.

Der YMCA setzt in einem seiner zahlreichen Projekte gerade an diesem Punkt an. Mit Mitarbeitern vor Ort, die auch während der schlimmsten Zeiten bravourös ihre Arbeit geleistet haben, ist ein Ausbildungsprojekt ins Leben gerufen worden. In einer hauptsächlich vom Krieg betroffenen Region im Osten des Landes hat der YMCA in der Stadt Kenema ein Ausbildungsprojekt ins Leben gerufen, das gerade den am meisten vom Krieg betroffenen Jugendlichen (Opfern und Tätern!) eine Perspektive geben soll. Schneidern, Mauern, Zimmerei, Seife herstellen und Landwirtschaft sind die vermittelten Fertigkeiten, die den Jugendlichen helfen sollen, ihr Leben auf die eigenen Beine zu stellen und ein Einkommen zu erzielen.

Diese Arbeit unterstützen die Bühnenmäuse zu 100 Prozent mit dem Erlös aus der Theaterarbeit. Seit Anfang der 80er Jahre haben Mitglieder der Bühnenmäuse persönliche Kontakte zum YMCA in Sierra Leone und sind seitdem (auch in Kriegszeiten) jährlich – auf private Kosten – vor Ort gewesen. Des Weiteren finden ebenfalls regelmäßig Besuche unserer Partner in Lüdenscheid statt, die aus erster Hand über den Fortgang der Projekte berichten können.

Vom Ausbildungsprojekt zur Berufsschule...

Es war im Dezember 2000. Der Rebellenkrieg in Sierra Leone ging seinem Ende zu. In Freetown, der Hauptstadt Sierra Leones gab es noch zahlreiche Flüchtlingscamps, die sich nach und nach leerten: Die Regierung sorgte in Zusammenarbeit mit der UNO dafür, dass die vielen Flüchtlinge in den besonders verwüsteten Osten des Landes zurückkehren konnten. Kinder und Jugendliche wurden zu dieser Zeit als „Lost Generation“ (= Verlorene Generation) bezeichnet, da sie nie etwas anderes als den Krieg kennen gelernt haben – sei es als Kindersoldat oder als Opfer.

Mit einem breit angelegten Wiederaufbau-Programm wurde der Grundstein dazu gelegt, dass in der östlichen Region, in der die Rebellen kaum einen Stein auf dem anderen gelassen haben, die Voraussetzungen für die Rückkehr der Menschen geschaffen wurde. Im Dezember 2000 waren wir vor Ort und Fred Karimu, der Generalsekretär des YMCA (CVJM) Sierra Leone sprach mit uns über die Idee, dass sich auch der YMCA mit einem Ausbildungsprojekt an dem Wiederaufbau des Landes beteiligen könnte. Da der YMCA bereits in den Flüchtlingscamps durch Verteilung von Hilfsgütern aber auch YMCA-Arbeit (Jungscharstunden, Bibelstunden, Gottesdienste, ...) aktive Arbeit geleistet hatte, gab es in der „Rückkehrerregion“ bereits erste Ansätze von YMCA-Arbeit in verschiedenen Vereinen vor Ort. Im Herbst 2001 war Fred Karimu zusammen mit dem damaligen Kassenwart des YMCA Nationalverbandes, Sahr Lebbie, in Lüdenscheid vor Ort, um die erste Idee in einem präzisen Konzept den BÜHNENMÄUSEN vorzustellen. Kenema, die regionale Hauptstadt der östlichen Region ist als Standort für das Berufsausbildungsprojekt ausgesucht worden, in dem SchneiderInnen, Maurer, Tischler und Farmer innerhalb kürzester Zeit ein Grundlagentraining erhielten, so dass sie mit der Fähigkeit, Geld zu verdienen, auch aktiv am Wiederaufbau des Landes teilnehmen konnten. Hierfür sollten sie am Ende ihrer Ausbildung Werkzeug-Ausstattungspakete erhalten. Innerhalb kürzester Zeit wurde der Plan in die Tat mit der Unterstützung der BÜHNENMÄUSE umgesetzt. Bereits Anfang 2004, als wir persönlich vor Ort waren, hatten die Auszubildenden einen Teil eines eigenen, neuen Ausbildungszentrums aus eigener Kraft errichtet, da das zuvor gemietete Gebäude nicht die besten Voraussetzungen für eine Fortführung des Projektes bot. Bereits in dieser Zeit entstand die Idee, das Berufsausbildungsprojekt (Skills Training) in eine „normale“ Berufsschule (Vocational Training Center) umzuwandeln und die Ausbildung auf den „normalen“ Zeitraum von drei Jahren auszudehnen.

Heute gibt es diese Berufsschule. Noch heute werden dort ehemalige Kindersoldaten und vom Krieg betroffene Jugendliche der „Lost Generation“ dort ausgebildet. Heute dürfen diese Kinder und Jugendlichen erfahren, dass es Menschen im CVJM in Deutschland gibt, die sie dabei unterstützen, ihre eigene Existenz zu gründen. Die Voraussetzungen hierfür sind optimal, da der YMCA in Sierra Leone mit hoch qualifizierten Mitarbeitern eine sehr zielgerichtete Arbeit leistet.

Zusammen mit Björn Meyer war ich vom 9. bis 26. Dezember 2007 in Sierra Leone. Wir durften uns persönlich einmal mehr vor Ort in Kenema davon überzeugen, dass wir die Einnahmen aus Ihren Eintrittskarten sehr nachhaltig investieren: In die Zukunft einer verloren geglaubten Generation!

Christoph Weiland

Für eine größere Darstellung das Bild anklicken


Christoph Weiland und Björn Meyer
mit David Kamanda und Raymond Bamie-Caulker vom CVJM Kissy
 
 
GUNTMAG Schule in Kissy

 


Ausbildungszentrum ehemaliger Kindersoldaten in Kenema

 

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Weiterführende Links:
http://www.sierra-leone.org/slnews.html (aktuelle Infos aus Sierra Leone – auf Englisch)
http://www.weltalmanach.de/ (Länderinfos zu Sierra Leone)
http://www.cvjm-westbund.de/weltdienst/sierra.htm (die CVJM Weltdienstarbeit in Sierra Leone)
http://www.cvjm-westbund.de/weltdienst/sierra.htm#skill (Bericht von der Eröffnung des Ausbildungsprojektes, das die Bühnenmäuse unterstützen)
 


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